Eiskalt abgezockt und souverän gewonnen

veröffentlicht um 23.11.2010, 06:33 von Felix Mayer   [ aktualisiert 23.11.2010, 06:40 von Maximilian Müller ]

Wasserratten Schwimmer gewinnen 2 Deutsche Jugendmeistertitel und einen Vizetitel




Das Rafting Boot mit dem erfahrenem Guide und 10 Mann Besatzung tanzt über die Wellen und als der höchste Wasserschwall bezwungen ist, jubeln die Rafting Gäste. Bis zu einem Meter türmen sich die Stromschnellen in der Imster Schlucht in Tirol auf und immer wieder muss das Boot vom Guide nachgesteuert werden, denn der ein oder andere Felsen schaut gefährlich mächtig aus dem nur 11°C kaltem Innwasser. Nervenkitzel ist zwar Teil der Gaudi, aber in das Wasser will keiner der moderne Abenteurer fallen.

Und so staunten die Bootsfahrer nicht schlecht, als sie feststellen mussten, dass in diesem Wasser ein Schwimmwettkampf stattfindet. Zum dritten Mal wurde in dem wilden Wasser des Inns in der Imster Schlucht bei Roppen die Deutschen Meisterschaften im Wildwasserschwimmen ausgetragen. Mit Helm, Schwimmweste, Neoprenanzug und teilweise mit Turnschuhen waren die wagemutigen Schwimmer ausgerüstet, denn zum Einen war das Wasser eiskalt und zum Anderen sollten alle Starter wieder heil aus dem Wasser kommen, was auch gelang. Sicherheit wird beim Wildwasserschwimmen groß geschrieben und der Veranstalter sorgte dank zahlreicher Helfer für optimale Sicherheit am Ufer und für die Schwimmer.



Wildwasserschwimmen – das ist was für echte und schnelle Schwimmer, die aber auch Mut, Ehrgeiz und einen Portion Abenteuerlust mit bringen müssen, denn bereits der Start auf die 2km lange Strecke in die wilden Fluten des Inns erfordert viel Überwindung. Nach Vorlauf, Halbfinale musste auch noch das Finale erfolgreich bestritten werden, wenn man sich einen Platz auf dem Siegerpodest sichern wollte. Dreimal 2 km im Wildwasser, dreimal ca. 10 Minuten im eiskalten Wasser, dreimal über Steine rein und wieder raus aus dem Wasser und dreimal auch noch die richtige Taktik gegen die Konkurrenz anwenden. Zusätzlich zu den natürlichen Hindernissen wie Stromschnellen, Steinen und Flussbiegungen, mussten die Schwimmer an 3 Checkpoints anschlagen. Diese Checkpoints sind Felsen am Ufer, die durch ein Kehrwasser angeschwommen werden mussten. Hier war Taktik und Voraussicht gefragt, denn wenn man zu früh aus der Hauptströmung schwamm, verlor man Geschwindigkeit und somit eine gute Platzierung, wenn man zu spät die Strömung verlies, dann kam man 10, 20 oder gar 30m zu spät ans Ufer und musste wieder stromaufwärts laufen oder schwimmen.

Die Schwimmer der Fürstenfeldbrucker Wasserratten (SV FW) waren voller Hoffnungen nach Roppen gefahren, denn mit Daniela Sterr war die amtierende Deutsche Jugendmeisterin von 2009 mit im Team. Die Flussbegehung – stromaufwärts vom Ziel zum Start – war sehr wichtig und Trainer Stefan Sponer wies immer wieder auf Details, Gefahren und Risiken im Flusslauf hin, die sich schlussendlich als entscheidend erweisen konnten. Das Feld war mit vielen Beckenschwimmern, aber auch mit Freiwasserschwimmern bestückt. So ging mit Christoph Wandratsch aus Burghausen, einer der weltweit erfolgreichsten Freiwasserschwimmer ebenso an den Start wie die ehemalige Spitzenschwimmerin Sandra Albrecht aus Lindau.


Im ersten Vorlauf der männlichen Jugend konnte sich Kevin Freund nach dem zweiten Checkpoint an die Spitze setzen und gewann diesen Vorlauf souverän. Da wollten Daniela Sterr und Jule Brückner nicht nachstehen und die beiden Mädels qualifizierten sich deutlich für das Halbfinale.



Im Halbfinale der männlichen Jugend musste sich Kevin gegen seinen Konkurrenten aus Waiblingen knapp geschlagen geben, da er auf den letzten 300m nicht die optimale Strömung erwischte und auch zu lange Brust statt Kraul geschwommen ist. Daniela Sterr erwischte einen Traumlauf und konnte sich am Schluss treiben lassen, da sie die 3 Checkpoints optimal anvisieren konnte und dank dieser taktischen Meisterleistung einen großen Vorsprung herausholen konnte. Jule befand sich kurz vor dem Ziel noch in einer Viergruppe. Zum Erreichen des Finales war ein vierter Platz notwendig und Jule zog auf den letzten Meter schwimmerisch an und konnte sich mit Rang 2 klar für das Finale qualifizieren.

Der Veranstalter entschied, dass die Jugend männlich und weiblich und die 2 Damen gemeinsam ein Finale schwimmen müssen. Damit es zu keiner Verzerrung und zu viel Gedränge kommen konnte, haben die 4 Mädchen entschieden, dass sie erst ca. 30 Sekunden nach den Jungen und Damen in den Inn springen. So war die Möglichkeit eines echten Rennen wieder gegeben. Da der Wasserpegel am Nachmittag niedriger als am Vormittag war, mussten die Schwimmer sich taktisch neu einstellen, da vor allem die Checkpoints dadurch anders angeschwommen werden. Ca. 400m vor dem Ziel war Kevin wieder im Zweikampf mit seinem Waiblinger Konkurrenten. Diesmal erhöhte Kevin das Tempo und schwamm mit hoher Kraft durch die letzten Stromschnellen und konnte sich schlussendlich deutlich durchsetzen und wurde somit Deutscher Jugendmeister im Wildwasserschwimmen 2010.

Nur wenige Meter hinter den letzten Jungs kamen die Mädchen auf die „Zielgerade. Daniela Sterr führte das Feld der 4 Mädchen souverän an. Mit deutlichem Vorsprung gewann Daniela das Rennen der Mädchen und verteidigte ihren Titel aus 2009. Jule schwamm ein tolles Rennen und belegte auch im Finale den 2ten Platz. Somit belegten die Schwimmerinnen des SV FW die ersten 2 Plätze. Daniela Sterr aus Überacker wurde Deutsche Jugendmeisterin 2010 und Jule Brückner aus Esting Deutsche Jugendvizemeisterin 2010 im Wildwasserschwimmen.



                Jule Brückner   Kevin Freund          Daniela Sterr


Erfolgreicher kann ein Wettkampf nicht absolviert werden und alle Beteiligten waren sich sicher, dass sie auch in 2011 trotz eiskaltem Wasser, Felsen, Stromschnellen und scharfen Steinen dabei sein werden.

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