Im Tiefschlaf zum Torerfolg

veröffentlicht um 14.02.2011, 03:44 von Felix Mayer   [ aktualisiert 14.02.2011, 03:45 von Maximilian Müller ]

Es ist ein gängiges Wasserball-Ritual, dass sich beide Mannschaften nach dem Ende des Spiels die Hand schütteln. Dass der Sieger dabei hängende Köpfe hat, während die Verlierer grinsen und bester Laune sind ist neu. Besonders wenn der Endstand mit neun Toren Unterschied deutlich ist. Am Samstagabend konnte aber genau diese Szene in Würzburg beobachtet werden.

Mit 10:19 (3:3; 3:2; 2:5; 2:9) hatten die Wasserratten Fürstenfeldbruck gegen den SV Würzburg 05 II verloren. Doch die Körpersprache der beiden Mannschaften deutete nach dem Spiel auf einen Sieg der Gäste. „Wir haben heute ein richtig gutes Spiel gemacht“, sagte Mannschaftskapitän Thorsten Schulz, während sich die siegreichen Würzburger eine Standpauke von ihrem Trainer anhören mussten.

Tatsächlich hatten die Brucker den Würzburgern lange Zeit die Stirn geboten und überraschend gut mitgehalten. „Wir waren nur zu acht angereist, hatten also nur einen Auswechselspieler“, sagte Schulz. Unter dem verbliebenen Wasserratten-Häuflein waren mit Thorsten Schulz und Wolfgang Sammer zwei Spieler, die zwar noch zu den Leistungsträgern der Mannschaft zählen, mit Mitte vierzig ihren Zenit aber bereits überschritten haben, Ersatztorwart Axel Steinbach und die Nachwuchsleute Mark Gastgeb, Daniel Thoma und Martin Leibold. Letztere müssen sich noch an die konditionellen und spielerischen Erfordernisse der Oberliga gewöhnen. Schlechte Vorzeichen also, besonders wenn man bedenkt, dass der Gegner die zweite Mannschaft eines Bundesligisten war. „Die sind viel erfahrener als unsere Jungs, dazu konditionsstark und schnell“, sagt Centerverteidiger Wolfgang Sammer.

Deswegen überlegten sich die Brucker eine besondere Taktik: das Spiel und den Gegner einschläfern. „Wir haben dem Spiel das Tempo genommen und scheinbar körperlos gespielt. In entscheidenden Situationen haben wir dann plötzlich das Gegenteil gemacht“, sagt Schulz. Die Strategie ging auf. Die jungen Würzburger passten sich dem körperlosen Spiel der Wasserratten an, kamen aber nicht mit den Tempowechseln zurecht. „Wir haben es geschafft die Würzburger mit unserer meditativen Spielweise in den Tiefschlaf zu versetzen. Die haben gar nicht bemerkt, was um sie herum gerade geschieht“, sagt Schulz und lacht. Die Folge: leichte Tore für die Brucker. Zur Halbzeit führten sie gegen den haushohen Favorit sogar mit 6:5.

Erst nach der Halbzeit agierten die Würzburger souveräner und siegten am Ende deutlich mit 19:10. „Die Würzburger haben am Ende die jungen rausgenommen und dafür die ganzen alten Hasen rein. Die konnten wir nicht mehr einschläfern“, sagt Schulz. Auch sei seiner Mannschaft mit zunehmender Spieldauer die Kraft ausgegangen, weil fünf von acht Spielern durchspielen mussten, während die Würzburger beständig wechseln konnten. Trotzdem sind die Wasserratten mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Kein Sportler verliert gerne, aber manchmal kann man halt sogar mit einer Niederlage zufrieden sein“, sagt Schulz. Besonders, wenn die Sieger einem danach mit hängenden Köpfen begegnen.


SVFW: Steinbach, Sammer (2), Satger (3), Leibold, Gastgeb, Thoma, Schulz (1), Kautz (4)
Comments