Ohne Torwart und Zaumzeug beim Bull-Riding

veröffentlicht um 30.01.2013, 01:02 von Felix Mayer

Clemens Satzger ballte die Faust und jubelte. Seine Mannschaftskollegen schrien ihre Freude laut in das Ingolstädter Schwimmbad. Am Sonntagnachmittag gewannen die Wasserballer der Fürstenfeldbrucker Wasserratten das Oberligaliga-Spiel gegen Delfin Ingolstadt nach großem Kampf mit 12:10 (1:4, 5:3, 4:2, 2:1). Es war erst das zweite Saisonspiel, aber schon ein ganz wichtiges.

Im vergangenen Jahr belegten beide Mannschaften die Plätze fünf und sechs. Das Saisonziel der Brucker lautet: Vor Ingolstadt bleiben. Doch die Donaustätter bezwangen am Samstag durchaus überraschend die SG Stadtwerke München mit 17:14. „Nach dem Ergebnis wussten wir, dass wir hier unbedingt gewinnen müssen“, sagt Satzger. Doch die Brucker hatten bereits am Freitagabend eine Hiobsbotschaft erhalten. Torhüter Tom Heichel, der wohl wichtigste Spieler der Mannschaft, meldete sich erkrankt ab. Auch Ersatztorhüter Axel Steinbach konnte nicht spielen. Ins Tor stellen die Wasserratten am Sonntag Thorsten Schulz. Der spielt zwar seit 30 Jahren Wasserball, im Tor hatte er zuvor aber noch nicht gestanden. 

„Um Thorsten zu unterstützen, wollten wir die Gegenspieler durch aggressives Attackieren so weit wie möglich vom Tor weghalten“, erklärt Trainer Fabian Kautz die Taktik. Doch der Start misslang den Kreisstädtern völlig. Nach dem ersten Viertel führte Ingolstadt 4:1, im zweiten Viertel sogar 7:2. Die Wasserratten waren zu passiv, Ingolstadt traf die Torecken, Schulz wirkte bisweilen etwas unglücklich. Dabei hatten die Brucker insbesondere Probleme, die Centerspieler der Ingolstädter zu kontrollieren. „Die haben einen ziemlich massigen und großen Center. Das Becken ist aber nur 1,80 Meter tief“, erklärt Kautz. Die Folge: Ingolstadts Center nutzte seine Größe, um sich immer wieder vom Beckenboden abzustoßen. Eigentlich verboten, für die Schiedsrichter aber nur schwer zu sehen. Und schwer zu verteidigen. Die Folge: Zahlreiche Rausstellungen für Brucker Spieler – am Ende wurden Wasserratten-Spieler 16 Mal rausgestellt, Ingolstädter nur 5 Mal – und leichte Schussmöglichkeiten für die Gastgeber in Ingolstadt. „In der Centerverteidigung kam man sich vor, wie beim Bull-Riding. Ständig wurde man aus dem Wasser rausgeschleudert“, sagt Kautz, der es „aufrichtig bedauert, kein Zaumzeug mitgenommen zu haben.“ 

Erst ab Mitte des zweiten Viertels kämpften sich die Wasserratten ins Spiel zurück. Die Brucker verteidigten aggressiver, Schulz fand zu ungeahntem Leistungsvermögen und Ingolstadt baute konditionell schon zu diesem frühen Zeitpunkt zusehends ab. Das nutzten die Amperstädter zu Kontertoren und kamen noch vor der Halbzeit bis auf 6:7 ran. „Dass wir zur Halbzeit wieder dran waren, haben wir vor allem Daniel Müller zu verdanken“, sagt Kautz. Der Jugendspieler erzielte drei der ersten fünf Wasserratten-Tore. 

Auch im dritten Viertel blieb das Spiel spannend, mit leichten Vorteilen für die Brucker, die sich jetzt auf Centerspieler Clemens Satzger verlassen konnte. Der brachiale Schütze traf immer dann, wenn es wichtig war, insgesamt viermal. Vor dem Schlussabschnitt führten die Brucker mit 10:9, bauten ihren Vorsprung dann auch 11:9 aus, als es nochmals spannend wurde: Günther Knall und Torwart Schulz wurden nach Tätlichkeit bzw. Meckern gleichzeitig des Beckens verwiesen. „Unnötig“, sagt Kautz. „Es war als Torwart einfach so emotional, dass ich irgendwann nicht mehr anders konnte“, sagt Schulz. Statt Schulz wechselte nun Wasserballwart Andreas Vogler zwischen die Pfosten. In zweifacher Überzahl gelang den Gästen der Anschlusstreffer. Doch die Brucker hatten die richtige Antwort, erzielten das 12:10 und spielten den Vorsprung über die Zeit. Durch den Sieg sind mit Ingolstadt, München und Fürstenfeldbruck nun drei Mannschaften punktgleich. „Vorne werden Weiden und Nürnberg einsame Kreise ziehen. Hinten wird’s dieses Jahr dafür richtig spannend“, sagt Kautz. Ob er zum Rückspiel gegen Ingolstadt Zaumzeug einpackt, wollte er allerdings noch nicht verraten.



SVFW: Schulz, Vogler, Knall (1), Sammer (1), Dressler, Hillmeier, Gastgeb, Bews, Müller (3), Kautz (3), Satzger (4), Mayer, Chripunow

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