Süddeutscher Pokal

veröffentlicht um 11.11.2011, 05:15 von Felix Mayer

Als im vergangenen Jahr der Zivildienst abgeschafft wurde, machte in der Branche der Witz die Runde, dies könne ein harter Schlag für die Wasserballer der Fürstenfeldbrucker Wasserratten sein. Bis dato waren viele in Bayern nämlich davon ausgegangen, dass ein Teil des Teams so lange spielen werde, bis er von einem Zivi aus dem Becken geholt werden müsse. Tatsächlich sind mehrere Spieler älter als 40 Jahre. Für Sportler gemeinhin ein biblisches Alter – zumal in der anstrengden Schwimmsportart Wasserball. An Aufhören haben sie trotzdem noch nicht gedacht. Warum auch, schließlich gehören unter anderem Hans Heusmann, Thorsten Schulz, Wolfgang Sammer und Torhüter Tom Heichel noch immer zu den absoluten Leistungsträgern. „Schwimmen ist gesund und Wasserball sogar noch mehr, weils auch noch Spaß bringt“, sagt etwa Schulz über den Herbst seiner Karriere. Außerdem haben die erfahrenen Spieler eine besondere Verantwortung: den Erhalt des Wasserballs in Fürstenfeldbruck.

Bereits seit mehr als 50 Jahren haben die Wasserratten eine Mannschaft, doch zuletzt hatten sie mehr und mehr Probleme, Nachwuchs zu finden. Der Grund: das Fehlen von Wasserzeiten und qualifizierten Trainern. Das hat sich geändert. Seit rund zwei Jahren betreiben die Wasserballer wieder erfolgreich Nachwuchsarbeit. Die ersten Spieler sind bereits in die erste Mannschaft integriert – und sollen in diesem Jahr den nächsten Schritt machen. Speziell Philipp Tomac und Daniel Müller traut Trainer Schulz einiges zu. „Die werden dieses Jahr den Sprung in die Topmannschaft schaffen, vielleicht sogar schon zu den Leistungsträgern zählen“, sagt Schulz. Dass es an Selbstbewusstsein nicht fehlt, hat zumindest Tomac schon gezeigt, als er Torschützenkönig Fabian Kautz vor der Saison den Kampf ansagte. Neben Müller und Tomac stehen mit Marc Gastgeb, Martin Leibold, Philipp Dressler und Markus Hillmeier weitere Jugendspieler im Kader. Bis sie der alten Garde die Plätze streitig machen, werden sie laut Schulz aber noch „ein paar Liter Wasser schlucken müssen.“

Die erste Gelegenheit dazu bietet sich an diesem Samstag. Dann eröffnen die Wasserratten mit dem Erstrundenmatch um den südwestdeutschen Pokal in Sindelfingen die Saison. „Sindelfingen scheint eine eher jungte Truppe zu sein“, hat Schulz nach Durchsicht der Website rausgefunden. Das könnte für die Schwaben ein Vorteil sein. Zumal die Homepage darauf schließen lässt, dass das Spielfeld in einer überdachten 50m Halle aufgebaut wird. „Das würde bedeuten, dass wir in dem offiziellen Spielfeld von 30x20 Metern spielen“, sagt Schulz. Das ist fünf Meter größer, als die klassischen 25 Meter Becken. Fünf Meter, die laut Schulz „ganz schön an die Substanz gehen.“ Das große Becken spiele natürlich jungen Mannschaften eher in die Karten. Dass sie trotzdem nicht chancenlos sind, wissen die Wasserratten aus Erfahrung. „Wir haben uns in den letzten Jahren in Süddeutschland den Ruf eines Pokalschrecks erarbeitet“, sagt Schulz. Vor zwei Jahren gewannen die Brucker gegen Zweitligaabsteiger SG Frankfurt/Offenbach. Auch dieses Spiel wurde im großen Becken ausgetragen. Damit sich der Erfolg wiederholt hat Schulz eine besondere taktische Marschroute: „Wenn die Jungen im Wasser sind: bedingungsloses Tempospiel. Wenn die Alten drin sind: Clever das Spiel verschleppen“, sagt Schulz und lacht. Und falls es mit dem Sieg nicht klappt, hätte das Spiel zumindest etwas Gutes: Die jungen Spieler haben in etwa das Alter von Bundesfreiwilligendienstlern, den Nachfolgern der Zivis. Schulz und Co können sich also schonmal an den Umgang mit dieser Generation gewöhnen.

SVFW: Heichel, Kautz, Müller, Mayer, Vogler, Satzger, Dressler, Schulz, Heusmann, Leibold, Gastgeb, Knöllinger

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